Schröder + Heidler

Druckguss vs. Spritzguss: Unterschiede, Vor- & Nachteile

Sahi Khader
05.08.2026 · Aktualisiert: 29.09.2026
Lesezeit: 6 min

Druckguss und Spritzguss klingen ähnlich und folgen einem verwandten Grundprinzip: Ein geschmolzener Werkstoff wird unter Druck in ein Werkzeug eingebracht und erstarrt dort zur Bauteilkontur. Der entscheidende Unterschied liegt im Material – Spritzguss verarbeitet Kunststoffe, Druckguss Metalle wie Aluminium, Zink oder Magnesium.

Für Konstrukteure und Einkäufer stellt sich damit eine Frage, die sich früh in der Entwicklung entscheidet: Welches Verfahren passt zum Bauteil? Dieser Beitrag stellt beide gegenüber und zeigt, wann sich der Wechsel von Metall auf Kunststoff rechnet – und wann nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gleiches Prinzip, anderer Werkstoff. Beide sind Urformverfahren mit Druck. Aus dem Werkstoffunterschied folgen alle weiteren Unterschiede in Prozess, Werkzeug und Bauteil.
  • Temperaturniveau trennt die Verfahren. Metallschmelzen liegen deutlich über den Verarbeitungstemperaturen von Kunststoff – das prägt Werkzeugmaterial, Standzeit und Anlagentechnik.
  • Kunststoff kann Funktionen integrieren. Dichtungen, Griffzonen und Farben lassen sich im Mehrkomponenten-Spritzguss direkt im Bauteil abbilden, ohne Montageschritt.
  • Metall bleibt bei Wärme und Steifigkeit vorn. Wo hohe Dauertemperaturen, Wärmeableitung oder große Kräfte auftreten, ist Druckguss meist die richtige Wahl.
  • Beide brauchen ein Serienwerkzeug. Die Investition amortisiert sich erst über die Stückzahl – die Wirtschaftlichkeitsrechnung entscheidet, nicht das Verfahren an sich.

Gemeinsames Grundprinzip, unterschiedliche Werkstoffe

Beide Verfahren gehören zu den Urformverfahren: Ein flüssiger Werkstoff wird unter Druck in eine Kavität eingebracht und erstarrt dort. Beim Spritzguss ist das ein aufgeschmolzener Kunststoff, beim Druckguss eine Metallschmelze. Aus diesem einen Unterschied ergeben sich alle weiteren – in der Werkzeugauslegung, im Prozessfenster und in den Eigenschaften des fertigen Teils.

Die wichtigsten Unterschiede im Detail

  • Temperatur: Metallschmelzen werden deutlich heißer verarbeitet als Kunststoffschmelzen. Das stellt höhere Anforderungen an Werkzeugstahl, Temperierung und Anlagentechnik.
  • Festigkeit und Wärmeleitung: Druckgussteile sind steifer und leiten Wärme deutlich besser ab – ein Vorteil überall dort, wo Bauteile Wärme abführen müssen.
  • Gewicht: Kunststoffbauteile sind erheblich leichter. In Anwendungen, in denen Masse zählt, ist das oft das ausschlaggebende Argument.
  • Korrosion und Isolation: Kunststoff korrodiert nicht und isoliert elektrisch – zwei Eigenschaften, die im Metall zusätzliche Beschichtungen oder Bauteile erfordern würden.
  • Gestaltungsfreiheit: Farben, transparente Bereiche und Hart-Weich-Kombinationen im 2K-Spritzguss sind im Metall nicht abbildbar.
  • Nachbearbeitung: Druckgussteile erfordern häufiger mechanische Nacharbeit, etwa das Entfernen von Graten oder das Nachbearbeiten von Funktionsflächen. Spritzgussteile kommen oft einbaufertig aus dem Werkzeug.

Wann Druckguss die bessere Wahl ist

Ein ehrlicher Vergleich benennt auch die Grenzen des Kunststoffs. Druckguss ist im Vorteil, wenn:

  • das Bauteil dauerhaft hohen Temperaturen ausgesetzt ist, bei denen technische Kunststoffe erweichen oder altern
  • Wärme aktiv abgeführt werden muss, etwa bei Gehäusen für leistungselektronische Komponenten
  • sehr hohe Steifigkeit bei kleiner Wandstärke gefordert ist
  • das Bauteil tragende Funktion mit hohen Punktlasten übernimmt
  • elektromagnetische Abschirmung ohne Zusatzmaßnahmen benötigt wird

Wann sich der Wechsel auf Spritzguss rechnet

Umgekehrt spielt der Kunststoffspritzguss seine Stärken dort aus, wo Gewicht, Isolation, Korrosionsbeständigkeit oder Funktionsintegration zählen. Typisch sind Gehäuse für die Elektrotechnik, Bedienelemente, Verbindungsteile und Bauteile mit integrierten Dichtungen oder Griffzonen.

Besonders wirtschaftlich wird der Wechsel, wenn mehrere Metallteile durch ein einziges Kunststoffbauteil ersetzt werden können. Was im Metall Montage erfordert – eine aufgeschraubte Dichtung, ein separates Griffelement –, entsteht im Spritzguss in einem Arbeitsgang. Die Ersparnis liegt dann nicht im Teilepreis, sondern im entfallenen Montageschritt.

Zu prüfen ist dabei immer die thermische und mechanische Belastung im Einsatz. Eine Substitution, die im Datenblatt funktioniert, kann an Dauertemperatur oder Kriechverhalten scheitern – das gehört vor die Werkzeuginvestition, nicht danach.

Der Wechsel will gerechnet werden

Ein Verfahrenswechsel ist keine reine Materialentscheidung. Zu klären sind mindestens: Welche Dauertemperatur liegt im Einsatz an? Wirken dauerhafte Lasten, unter denen ein Kunststoff kriechen könnte? Welche Toleranzen sind gefordert, und lassen sie sich unter Berücksichtigung der Schwindung einhalten? Und wie hoch ist die Jahresstückzahl, über die sich das neue Werkzeug amortisieren muss?

In der Praxis lohnt sich der Wechsel selten wegen des Teilepreises allein. Er lohnt sich, wenn gleichzeitig Gewicht sinkt, Korrosionsschutz entfällt und Montageschritte wegfallen. Diese drei Effekte zusammen verschieben die Rechnung deutlich – einzeln betrachtet oft nicht.

Was beide Verfahren gemeinsam haben

Beide brauchen ein präzises Serienwerkzeug, dessen Kosten sich erst über die Stückzahl amortisieren. Und in beiden Fällen entscheidet die Werkzeugauslegung über Maßhaltigkeit, Oberfläche und Prozesssicherheit. Wer die Kostentreiber im Werkzeugbau kennt – Kavitätenzahl, Hinterschnitte, Toleranzanforderung –, kann beide Verfahren belastbar gegeneinander rechnen.

Häufige Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen Druckguss und Spritzguss?

Der Werkstoff. Spritzguss verarbeitet Kunststoffe, Druckguss Metalle wie Aluminium, Zink oder Magnesium. Das Grundprinzip – Einbringen einer Schmelze unter Druck in ein Werkzeug – ist bei beiden gleich; alle weiteren Unterschiede in Prozess, Werkzeug und Bauteileigenschaften folgen aus dem Material.

Kann ein Druckgussteil durch ein Spritzgussteil ersetzt werden?

Häufig ja, wenn die thermische und mechanische Belastung es zulässt. Besonders wirtschaftlich wird der Wechsel, wenn sich mehrere Metallteile zu einem Kunststoffbauteil zusammenfassen lassen und dadurch Montageschritte entfallen. Dauertemperatur, Kriechverhalten und Steifigkeit sollten vorab geprüft werden.

Welches Verfahren ist günstiger?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide erfordern ein Serienwerkzeug, dessen Kosten sich über die Stückzahl verteilen. Kunststoffbauteile sind im Teilepreis oft günstiger und benötigen seltener Nacharbeit; entscheidend ist aber die Gesamtrechnung aus Werkzeug, Teilepreis, Nachbearbeitung und Montage.

Sind Spritzgussteile weniger belastbar als Druckgussteile?

Nicht generell – es kommt auf die Belastungsart an. Metall ist steifer und wärmeleitfähiger. Technische Kunststoffe, besonders glasfaserverstärkte Typen, erreichen jedoch hohe Festigkeiten bei deutlich geringerem Gewicht und sind korrosionsbeständig.

Fertigt Schröder + Heidler auch Druckguss?

Nein. Wir sind auf Kunststoffspritzguss und den zugehörigen Werkzeugbau spezialisiert. Ob sich Ihr Bauteil für eine Ausführung in Kunststoff eignet, prüfen wir anhand Ihrer Zeichnung gern.

Fazit: Die Anforderung entscheidet, nicht das Verfahren

Ob Druckguss oder Spritzguss die bessere Wahl ist, hängt von Belastung, Gewicht, Stückzahl und Funktionsanforderungen ab. Wo Wärmeableitung und Steifigkeit zählen, bleibt Metall vorn. Wo Gewicht, Isolation und integrierte Funktionen gefragt sind, ist der Kunststoffspritzguss meist die wirtschaftlichere Lösung.

Sie möchten wissen, ob sich Ihr Bauteil für den Spritzguss eignet? Schicken Sie uns Ihre Zeichnung.

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