Schröder + Heidler

Laserschweißen

Sahi Khader
01.07.2026
Lesezeit: 10 min

Laserschweißen ist ein präzises und berührungsloses Fügeverfahren für Metalle und Kunststoffe. Bei Kunststoffbauteilen ist vor allem das Laserdurchstrahlschweißen relevant. Es eignet sich besonders dann, wenn saubere, optisch unauffällige und reproduzierbare Verbindungen gefragt sind.

Für technische Kunststoffbaugruppen ist Laserschweißen jedoch kein Selbstzweck. Entscheidend ist immer, ob Materialpaarung, Bauteilgeometrie, Dichtheitsanforderung, Stückzahl und Prüfkonzept zusammenpassen. Deshalb sollte das Verfahren bereits in der Bauteilauslegung und in der Montageplanung bewertet werden.

Das Wichtigste in Kürze

Kernaussage Bedeutung
Stoffschlüssiges Fügen ohne Werkzeugkontakt Ein fokussierter Laserstrahl verbindet Werkstoffe dauerhaft. In der Regel erfolgt der Prozess ohne Zusatzwerkstoff und ohne direkten Werkzeugkontakt an der Fügestelle.
Laserdurchstrahlschweißen bei Kunststoffen Ein lasertransparenter Fügepartner und ein laserabsorbierender Fügepartner werden unter Fügedruck miteinander verbunden.
Sauber und schwingungsarm Das Verfahren arbeitet sehr sauber und verursacht keine mechanischen Schwingungen. Das ist besonders bei empfindlichen Baugruppen aus Elektronik, Sensorik, Fluidtechnik oder Medizintechnik interessant.
Lokal begrenzte Wärmeeinbringung Der Energieeintrag bleibt auf den Fügebereich konzentriert. Dadurch können Verzug und Belastung angrenzender Bauteilbereiche reduziert werden.
Voraussetzungen müssen stimmen Geeignete Thermoplaste, passende optische Eigenschaften, eine schweißgerechte Nahtgeometrie und ein möglichst spaltfreier Kontakt sind entscheidend.
Projektbezogene Einordnung bei S+H Schröder + Heidler bewertet das passende Fügeverfahren projektbezogen. Laserbasierte Verfahren werden bei geeigneten Anforderungen technisch geprüft und in der Lösungsauswahl berücksichtigt.

Was ist Laserschweißen?

Laserschweißen, auch Laserstrahlschweißen genannt, ist ein Fügeverfahren, bei dem ein stark gebündelter Laserstrahl gezielt Energie in den Fügebereich einbringt. Das Material wird lokal aufgeschmolzen oder plastifiziert und verbindet sich nach dem Erstarren zu einer stoffschlüssigen Verbindung.

Der besondere Vorteil liegt in der Konzentration der Energie auf einen kleinen Bereich. Dadurch entstehen schmale Wärmeeinflusszonen, präzise Nahtverläufe und geringe Belastungen für angrenzende Bauteilbereiche. Bei Kunststoffbauteilen ist vor allem die kontrollierte Energieeinbringung interessant, weil empfindliche Geometrien, Sichtflächen oder vormontierte Komponenten geschont werden können.

Eine Schweißverbindung ist dauerhaft und in der Regel nicht zerstörungsfrei lösbar. Das unterscheidet sie von Schrauben, Clipsen oder anderen lösbaren Verbindungstechniken. Ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist, hängt vom Einsatzfall ab: Für dichte, dauerhafte Baugruppen ist es oft gewünscht; für reparaturfreundliche Produkte kann eine lösbare Verbindung sinnvoller sein.

Laserdurchstrahlschweißen von Kunststoffen

Beim Laserdurchstrahlschweißen werden zwei Kunststoffteile mit unterschiedlichen optischen Eigenschaften gefügt. Der obere Fügepartner ist für die gewählte Laserwellenlänge weitgehend transparent. Der untere Fügepartner absorbiert die Laserstrahlung und wandelt sie in Wärme um.

Die beiden Bauteile werden exakt positioniert und unter Fügedruck gebracht. Der Laserstrahl durchdringt den transparenten Fügepartner, ohne ihn wesentlich zu erwärmen. Erst im absorbierenden Fügepartner entsteht die Wärme. Dort plastifiziert der Kunststoff. Über Wärmeleitung wird auch die Kontaktzone des transparenten Partners aufgeschmolzen. Unter Fügedruck entsteht eine stoffschlüssige Verbindung.

Damit das funktioniert, müssen Material, Farbe, Additive und Wandstärken aufeinander abgestimmt sein. Häufig wird der absorbierende Fügepartner mit Ruß oder speziellen Infrarotabsorbern eingestellt. Dadurch lassen sich auch nicht-schwarze Materialkombinationen realisieren, wenn Materialsystem und Bauteilanforderung das zulassen.

Wichtig ist: Laserschweißen ersetzt keine saubere Bauteilkonstruktion. Eine geeignete Nahtgeometrie, gleichmäßiger Kontakt, definierte Spannverhältnisse und passende Prüfmerkmale sind die Grundlage für reproduzierbare Ergebnisse.

Verfahrensvarianten

Je nach Bauteil, Nahtverlauf, Stückzahl und Qualitätsanforderung kommen unterschiedliche Varianten zum Einsatz.

Konturschweißen: Ein punktförmiger Laserstrahl fährt die Nahtkontur ab. Diese Variante ist flexibel und eignet sich für viele zweidimensionale Nahtverläufe.

Simultanschweißen: Die gesamte Naht wird nahezu gleichzeitig erwärmt. Das kann kurze Prozesszeiten ermöglichen, setzt aber eine entsprechend ausgelegte Anlage und Nahtgeometrie voraus.

Quasisimultanschweißen: Ein schnell bewegter Laser fährt die Naht mehrfach ab, sodass die gesamte Kontur nahezu gleichzeitig plastifiziert wird. Das Verfahren kann kleine Spalte teilweise ausgleichen und eignet sich für automatisierte Serienprozesse.

Maskenschweißen: Eine Maske definiert die Nahtgeometrie. Dadurch sind sehr feine und präzise Konturen möglich, etwa bei kleinen technischen Bauteilen.

Rollen- oder GLOBO-Schweißen: Eine optische Rolle führt den Strahl und bringt gleichzeitig Fügedruck ein. Das kann bei dreidimensionalen Nahtverläufen und komplexeren Bauteilen Vorteile bieten.

Vorteile und Grenzen bei Kunststoffbauteilen

Laserschweißen kann bei Kunststoffbaugruppen klare Vorteile bieten, wenn die konstruktiven und materialtechnischen Voraussetzungen erfüllt sind.

1. Sehr saubere Verbindung: Im Vergleich zu vibrations- oder reibungsbasierten Verfahren entsteht kaum mechanischer Abrieb. Das ist bei Sensorik, Elektronik und fluidführenden Bauteilen ein wichtiger Vorteil.

2. Geringe mechanische Belastung: Da keine starken Schwingungen in das Bauteil eingeleitet werden, können empfindliche Komponenten im Inneren besser geschützt werden.

3. Geringe lokale Wärmeeinbringung: Der Wärmeeintrag bleibt auf den Fügebereich begrenzt. Das reduziert das Risiko von Verzug, sichtbaren Oberflächenveränderungen oder thermischer Schädigung benachbarter Bereiche.

4. Gute Optik: Die Naht kann je nach Geometrie und Materialauswahl unauffällig gestaltet werden. Das ist bei Sichtteilen und Gehäusen interessant.

5. Automatisierbarkeit: Das Verfahren lässt sich gut in Serienprozesse integrieren, wenn Spanntechnik, Laserführung, Prozessüberwachung und Prüfkonzept sauber ausgelegt sind.

Gleichzeitig hat das Verfahren klare Grenzen. Die Fügepartner müssen zur gewählten Laserwellenlänge passen. Die Naht muss für den Laser erreichbar sein. Spalte, Verzug oder ungleichmäßiger Fügedruck können die Nahtqualität beeinträchtigen. Außerdem sind Anlagen- und Vorrichtungskosten höher als bei einfachen mechanischen Verbindungen. Deshalb muss die Wirtschaftlichkeit immer am konkreten Bauteil bewertet werden.

Vergleich mit anderen Fügeverfahren

Für Kunststoffbaugruppen gibt es nicht das eine beste Fügeverfahren. Die richtige Lösung ergibt sich aus Funktion, Dichtheit, Optik, Belastung, Stückzahl, Montageaufwand und Kosten.

Ultraschallschweißen ist schnell, verbreitet und wirtschaftlich. Es bringt jedoch mechanische Schwingungen in das Bauteil ein und kann bei sehr empfindlichen Baugruppen oder sichtbaren Oberflächen Grenzen haben.

Vibrationsschweißen eignet sich für größere Bauteile und robuste Verbindungen. Es erzeugt jedoch Relativbewegung zwischen den Fügepartnern und kann mehr Reibpartikel erzeugen als laserbasierte Verfahren.

Heizelementschweißen ist bewährt und kann sehr stabile Verbindungen erzeugen. Es benötigt direkten Kontakt mit dem Heizelement und ist häufig langsamer als automatisierte Laserprozesse.

Kleben erlaubt Materialkombinationen, die sich nicht gut schweißen lassen. Dafür müssen Klebstoff, Oberfläche, Aushärtezeit, Alterung und Prozesskontrolle sauber beherrscht werden.

Mechanische Verbindungen wie Clipsen, Schrauben oder Einpressen sind montagefreundlich und teilweise lösbar. Sie benötigen aber Bauraum und können zusätzliche Bauteile oder Montageschritte erfordern.

Laserschweißen ist besonders interessant, wenn eine saubere, dichte, optisch hochwertige und schwingungsarme Verbindung gefordert ist. Es ist aber nur dann sinnvoll, wenn Materialpaarung, Geometrie und Stückzahl zum Verfahren passen.

Typische Einsatzgebiete

Laserschweißen von Kunststoffen wird besonders dort eingesetzt, wo Sauberkeit, Dichtheit, Präzision und reproduzierbare Qualität wichtig sind.

1. Automobilindustrie: Gehäuse, Sensorbauteile, Leuchten, Behälter und technische Kunststoffbaugruppen mit Anforderungen an Dichtheit und Prozessstabilität.

2. Elektrotechnik und Elektronik: Gehäuse, Steckverbinder, Kontaktträger und Baugruppen, bei denen Partikel und Schwingungen vermieden werden sollen.

3. Sensorik: präzise Gehäuseverbindungen, bei denen empfindliche Innenkomponenten geschützt werden müssen.

4. Fluidtechnik: Bauteile, bei denen eine dichte Verbindung gegen Flüssigkeiten oder Gase erforderlich ist.

5. Medizintechnik: Anwendungen, bei denen saubere Oberflächen, geringe Rückstände und kontrollierte Prozesse wichtig sind. Hier gelten zusätzlich produktspezifische regulatorische Anforderungen.

Ein typisches Beispiel ist die Verbindung eines transparenten oder lichtdurchlässigen Abdeckteils mit einem absorbierenden Gehäuse. Je nach Auslegung kann so eine optisch saubere und dichte Verbindung entstehen. Ob diese Lösung im Einzelfall geeignet ist, muss über Materialprüfung, Musterung und Bauteiltests abgesichert werden.

Qualität, Prüfung und Normen

Die Qualität einer lasergeschweißten Kunststoffverbindung hängt nicht nur vom Laser ab. Entscheidend sind das Zusammenspiel aus Material, Bauteildesign, Spanntechnik, Prozessparametern und Prüfung. Typische Prüfungen sind Sichtprüfung, Dichtheitsprüfung, Zug- oder Schälprüfung, Schliffbildbewertung sowie prozessbegleitende Überwachung von Energieeintrag, Weg, Kraft oder Temperatur, je nach Verfahren und Anlage.

Für das Laserdurchstrahlschweißen thermoplastischer Kunststoffe ist die DVS-Richtlinie 2243 ein wichtiges fachliches Regelwerk. Sie beschreibt unter anderem Verfahrensgrundlagen, Maschinentechnik und werkstoffbezogene Einflüsse. Für das Qualitätsmanagement bilden ISO 9001 und, bei Automotive-Anwendungen, IATF 16949 den organisatorischen Rahmen für dokumentierte Prozesse, Rückverfolgbarkeit, Fehlervermeidung und kontinuierliche Verbesserung.

Wichtig für die Außendarstellung: Eine Zertifizierung nach ISO 9001 oder IATF 16949 bedeutet nicht, dass jedes einzelne Fügeverfahren automatisch zertifiziert ist. Sie beschreibt den Rahmen des Qualitätsmanagementsystems und den zertifizierten Geltungsbereich. Bei Schröder + Heidler umfasst der IATF-Geltungsbereich die Herstellung technischer Kunststoffspritzgießteile und die Baugruppenmontage, ohne Produktentwicklung gemäß Abschnitt 8.3.

Fügetechnik und Baugruppenmontage bei Schröder + Heidler

Schröder + Heidler fertigt seit 1991 im sächsischen Erzgebirge technische Kunststoffbauteile und Spritzgießwerkzeuge. Heute verbindet das Unternehmen mit 119 Mitarbeitenden Werkzeugbau, Spritzguss, 2K-Technik und Baugruppenmontage an einem Standort.

Der Vorteil liegt in den kurzen Wegen. Werkzeugbau, Bemusterung, Serienfertigung und Montage greifen direkt ineinander. Dadurch lassen sich Bauteile nicht nur fertigen, sondern auch montage- und prüfgerecht denken. Gerade bei gefügten Kunststoffbaugruppen ist das entscheidend, weil die spätere Fügetechnik bereits bei Materialauswahl, Toleranzen, Nahtgeometrie und Prüfkonzept berücksichtigt werden muss.

In der Baugruppenmontage setzt Schröder + Heidler je nach Projekt unterschiedliche Fügetechniken ein, darunter Clipsen, Schrauben, Einpressen, Ultraschallschweißen und Kleben. Diese Verfahren werden mit passenden Prüf- und Verpackungsschritten in den Montageprozess eingebunden. Ziel sind einbaufertige Baugruppen mit reproduzierbarer Qualität.

Laserschweißen wird dabei als mögliche technische Option betrachtet, wenn die Anforderungen des Bauteils dafür sprechen. Das gilt besonders bei Baugruppen, die eine sehr saubere, schwingungsarme, optisch unauffällige oder dichte Verbindung benötigen. Ob ein laserbasiertes Verfahren wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist, wird projektbezogen geprüft.

Die Fertigung und Baugruppenmontage erfolgt unter einem nach ISO 9001:2015 und IATF 16949:2016 zertifizierten Qualitätsmanagement. Der IATF-Zertifizierungsumfang ist auf die Herstellung technischer Kunststoffspritzgießteile und Baugruppenmontage bezogen und schließt Produktentwicklung gemäß Abschnitt 8.3 aus. Diese klare Abgrenzung ist wichtig, damit Kunden den zertifizierten Leistungsumfang korrekt einordnen können.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Laserschweißen und Laserdurchstrahlschweißen?

Laserschweißen ist der Oberbegriff. Laserdurchstrahlschweißen ist eine wichtige Variante für Kunststoffe. Dabei durchdringt der Laser einen transparenten Kunststoffpartner und wird im absorbierenden Partner in Wärme umgewandelt.

Welche Kunststoffe lassen sich laserschweißen?

Geeignet sind vor allem thermoplastische Kunststoffe. Entscheidend sind die optischen Eigenschaften bei der verwendeten Laserwellenlänge, die Materialverträglichkeit der Fügepartner und die Bauteilgeometrie.

Warum gilt Laserschweißen als besonders sauber?

Der Prozess arbeitet berührungslos und ohne mechanische Reibbewegung an der Naht. Dadurch entstehen im Vergleich zu manchen anderen Fügeverfahren deutlich weniger Partikel und keine typischen Klebstoffrückstände.

Ist Laserschweißen besser als Ultraschallschweißen?

Nicht grundsätzlich. Ultraschallschweißen ist schnell und wirtschaftlich. Laserschweißen ist besonders interessant, wenn Schwingungen, Partikel, sichtbare Nahtspuren oder empfindliche Innenkomponenten kritisch sind.

Ist Laserschweißen für hohe Stückzahlen geeignet?

Ja, bei geeigneter Bauteilauslegung und passender Automatisierung kann Laserschweißen für Serien- und Großserienprozesse geeignet sein. Die Wirtschaftlichkeit hängt jedoch von Anlage, Spanntechnik, Taktzeit und Prüfaufwand ab.

Welche Norm ist für Laserschweißen von Kunststoffen relevant?

Für das Laserstrahlschweißen thermoplastischer Kunststoffe ist die DVS-Richtlinie 2243 ein wichtiges fachliches Regelwerk. Für das Qualitätsmanagement sind ISO 9001 und, bei Automotive-Projekten, IATF 16949 relevant.

Anfrage für Kunststoffbaugruppen und Fügetechnik

Sie planen eine technische Kunststoffbaugruppe und möchten früh klären, welches Fügeverfahren für Ihre Anwendung sinnvoll ist? Schröder + Heidler unterstützt Sie von der technischen Klärung über Werkzeugbau, Spritzguss und Bemusterung bis zur einbaufertigen Baugruppe. Gemeinsam bewerten wir Material, Geometrie, Toleranzen, Montageprozess und Prüfung, damit die Lösung später in der Serie funktioniert.

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Konzeption, Umsetzung und Hosting: BlueBranch GmbH, Fürth