Als Kavität bezeichnet man im Spritzguss den Formhohlraum eines Werkzeugs, der die Geometrie des Kunststoffbauteils als Negativform abbildet. Vereinfacht gesagt: Die Kavität ist der Raum, den die eingespritzte Schmelze ausfüllt und der dem Bauteil seine endgültige Form gibt.
Der Begriff wird häufig auch als „Nest“ bezeichnet. Die Anzahl der Kavitäten in einem Werkzeug bestimmt, wie viele Bauteile pro Spritzzyklus entstehen – und ist damit ein zentraler Hebel für die Wirtschaftlichkeit der Serienfertigung.
Das Wichtigste in Kürze
| Kernaussage | Bedeutung |
|---|---|
| Kavität = Formhohlraum | Die Kavität bildet die Bauteilkontur als Negativ ab und wird beim Einspritzen mit Kunststoffschmelze gefüllt. |
| Kavität und Kern | Die Außenkontur entsteht in der Kavität, Innenkonturen und Durchbrüche werden durch den Kern gebildet. |
| Kavitätenzahl | Ein Mehrfachwerkzeug enthält mehrere identische Kavitäten und fertigt entsprechend viele Teile je Zyklus. |
| Oberfläche zählt | Die Oberflächengüte der Kavität überträgt sich direkt auf das Bauteil – von hochglanzpoliert bis strukturiert. |
Kavität und Kern – so entsteht die Bauteilform
Ein Formhohlraum wird immer von zwei Werkzeugbereichen gebildet: der Kavität auf der Düsenseite, die typischerweise die Außenkontur formt, und dem Kern auf der Auswerferseite, der Innenkonturen, Durchbrüche und Hinterschnitte abbildet. Beim Schließen des Werkzeugs entsteht dazwischen der Hohlraum, in den die Schmelze einströmt.
Was bedeutet Kavitätenzahl?
Die Kavitätenzahl gibt an, wie viele Bauteile ein Werkzeug pro Zyklus produziert. Man spricht von 1-, 2-, 4- oder auch 32-fach-Werkzeugen. Mehr Kavitäten senken die Stückkosten bei hohen Stückzahlen, erhöhen aber die Werkzeuginvestition und die Anforderungen an eine gleichmäßige Füllung aller Nester. Die optimale Kavitätenzahl ist deshalb immer eine Abwägung zwischen Jahresstückzahl, Bauteilgröße und Prozesssicherheit.
Warum die Kavität die Bauteilqualität prägt
Die Oberflächenbeschaffenheit der Kavität überträgt sich unmittelbar auf das Bauteil – eine polierte Kavität erzeugt glänzende Flächen, eine erodierte oder geätzte Kavität definierte Strukturen. Auch Maßhaltigkeit und Entformbarkeit hängen von der präzisen Fertigung der Kavität ab. Bei Mehrfachwerkzeugen ist zudem entscheidend, dass alle Kavitäten möglichst gleichzeitig und gleichmäßig gefüllt werden, damit die Bauteile aus allen Nestern identische Eigenschaften aufweisen.
Kavität im Kontext des Werkzeugbaus
Die Auslegung der Kavität ist ein zentraler Bestandteil der Werkzeugkonstruktion. Angussposition, Entlüftung, Temperierung und Auswerferkonzept werden rund um die Kavität geplant. Bei anspruchsvollen Bauteilen sichern wir die Füllung der Kavität vorab per Simulation ab. Haben Sie ein konkretes Bauteil? Sprechen Sie mit unserem Werkzeugbau.