Staudruck, Nachdruck und Einspritzdruck gehören zu den wichtigsten Prozessparametern im Spritzguss. Sie steuern, wie die Kunststoffschmelze aufbereitet, in das Werkzeug eingebracht und verdichtet wird. Wer diese Drücke versteht, kann Bauteilqualität, Maßhaltigkeit und Prozesssicherheit gezielt beeinflussen.
Gerade bei technischen Präzisionsbauteilen entscheiden diese Parameter über Fehlerbilder wie Einfallstellen, Grat oder Maßabweichungen. Dieser Glossarbeitrag erklärt die drei Druckarten und ihre Wirkung im Prozess.
Das Wichtigste in Kürze
| Parameter | Wirkung im Prozess |
|---|---|
| Einspritzdruck | Treibt die Schmelze in die Kavität und bestimmt maßgeblich die Formfüllung. |
| Nachdruck | Verdichtet die Schmelze und gleicht die Volumenschwindung beim Abkühlen aus. |
| Staudruck | Wirkt beim Dosieren auf die Schnecke und sorgt für eine homogene, gut aufgeschmolzene Masse. |
| Zusammenspiel entscheidet | Erst das abgestimmte Zusammenspiel aller Drücke ergibt ein maßhaltiges, fehlerfreies Bauteil. |
Was ist der Staudruck?
Der Staudruck ist der Gegendruck, der beim Dosieren auf die zurückweichende Plastifizierschnecke wirkt. Während sich die Schnecke dreht und Material fördert, wird sie durch den Staudruck kontrolliert zurückgehalten. Das verbessert die Homogenität der Schmelze: Farb- und Additivmischungen werden gleichmäßiger, eingeschlossene Luft wird reduziert und die Masse gleichmäßig aufgeschmolzen. Ein zu geringer Staudruck kann zu inhomogener Schmelze führen, ein zu hoher zu thermischer Belastung und längeren Dosierzeiten.
Einspritzdruck und Formfüllung
Der Einspritzdruck ist die Kraft, mit der die Schmelze über Anguss und Angusssystem in die Kavität gedrückt wird. Er muss hoch genug sein, um den Formhohlraum vollständig und schnell zu füllen, bevor die Schmelze erstarrt. Wandstärke, Fließweglänge, Materialviskosität und Angussgestaltung bestimmen den erforderlichen Einspritzdruck.
Nachdruck gegen Einfallstellen
Nach der Formfüllung schaltet der Prozess vom Einspritzdruck auf den Nachdruck um. Kunststoff schwindet beim Abkühlen – durch den Nachdruck wird zusätzliche Schmelze in die Kavität gefördert und die Volumenschwindung ausgeglichen. Ein korrekt eingestellter Nachdruck verhindert Einfallstellen und Lunker, sorgt für Maßhaltigkeit und reduziert Verzug. Ist der Nachdruck zu hoch, drohen Grat und innere Spannungen; ist er zu niedrig, entstehen Einfallstellen.
Prozessparameter sicher beherrschen
Die richtige Einstellung von Staudruck, Einspritz- und Nachdruck ist Teil eines reproduzierbaren, prozessfähigen Spritzgießprozesses. Bei Schröder + Heidler sichern wir diese Parameter über systematische Prozessoptimierung und Messtechnik ab, um konstante Bauteilqualität über die gesamte Serie zu gewährleisten. Erfahren Sie mehr über unsere Fertigungskompetenz.