Schröder + Heidler

TPE (thermoplastische Elastomere)

Sahi Khader
29.09.2026
Lesezeit: 6 min

TPE steht für thermoplastische Elastomere. Diese Kunststoffe verhalten sich bei Raumtemperatur gummielastisch, lassen sich aber wie ein Thermoplast aufschmelzen und im Spritzguss verarbeiten. Möglich macht das eine Struktur aus harten und weichen Phasen, die nicht chemisch vernetzt, sondern physikalisch verbunden sind.

Im Spritzguss sind TPE vor allem als weiche Komponente gefragt: Dichtungen, Griffzonen und Dämpfer werden im Mehrkomponenten-Spritzguss direkt an ein hartes Trägerteil angespritzt. Das spart Montageschritte und ergibt eine dauerhafte Hart-Weich-Verbindung.

Das Wichtigste in Kürze

KernaussageBedeutung
Elastisch wie Gummi, verarbeitbar wie ThermoplastKeine Vulkanisation nötig: TPE wird geschmolzen, gespritzt und erstarrt beim Abkühlen. Angüsse und Ausschuss lassen sich in der Regel wieder aufbereiten.
Große HärtebandbreiteVon sehr weichen Typen im niedrigen Shore-A-Bereich bis zu harten Typen im Shore-D-Bereich.
Eine Familie, viele WerkstoffeTPE ist ein Sammelbegriff. Die Basis – etwa Styrol, Olefin oder Polyurethan – bestimmt Beständigkeit, Haftung und Temperaturbereich.
Schlüsselwerkstoff für Hart-WeichIm 2K-Spritzguss haftet die passende TPE-Type ohne Klebstoff am Hartkunststoff. Die Materialpaarung entscheidet über die Haftfestigkeit.

TPE im Vergleich zu Elastomer und Gummi

Klassische Elastomere wie EPDM oder NBR werden vulkanisiert, also chemisch vernetzt. Dieser Vorgang ist nicht umkehrbar. TPE dagegen werden beim Erwärmen wieder plastisch. Das verkürzt die Zykluszeit und ermöglicht den Mehrkomponenten-Spritzguss. Der Nachteil: Bei höheren Temperaturen und dauerhafter Druckbelastung zeigen viele TPE einen höheren Druckverformungsrest als vernetzter Gummi. Für statisch hoch belastete Dichtungen bei erhöhter Temperatur bleibt Gummi daher oft die bessere Wahl.

Die wichtigsten TPE-Familien

KurzzeichenBasisTypische Stärken
TPS (TPE-S)Styrol-Blockcopolymere, z. B. SEBSSehr weich einstellbar, angenehme Haptik, gute Haftung auf PP und – als modifizierte Type – auf weiteren Kunststoffen
TPO (TPE-O)Olefin-Blends, meist PP mit KautschukanteilKostengünstig, gute Witterungsbeständigkeit, Haftung auf PP
TPV (TPE-V)PP mit vernetzten Kautschukpartikeln, z. B. EPDMGummiähnliches Rückstellverhalten, geeignet für Dichtungen
TPU (TPE-U)Thermoplastisches PolyurethanHohe Abrieb- und Weiterreißfestigkeit, gute Ölbeständigkeit
TPC (TPE-E)CopolyesterHöhere Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit, gute Dauerfestigkeit
TPA (TPE-A)Polyamid-BlockcopolymereGeringe Dichte, gute Kälteflexibilität, hohe Belastbarkeit

Die Kurzzeichen folgen der Norm DIN EN ISO 18064. Kennwerte wie Härte, Dichte (meist etwa 0,9–1,2 g/cm³) und Einsatztemperatur hängen stark von der jeweiligen Type ab – maßgeblich ist immer das Datenblatt des Herstellers.

Verarbeitung und Hart-Weich-Verbindung

  • Materialpaarung festlegen: Die TPE-Type muss auf den Hartkunststoff abgestimmt sein. Für Kombinationen mit PC, ABS oder PA gibt es haftmodifizierte Typen. Für die Auslegung eines Bauteils im 2K-Spritzguss gehört die Haftprüfung deshalb früh in die Entwicklung.
  • Trocknung nach Type: TPU und TPC sind feuchteempfindlich und werden vor der Verarbeitung getrocknet. Viele TPS- und TPO-Typen kommen ohne oder mit kurzer Trocknung aus.
  • Entformung beachten: Weiche TPE-Teile haften stark an der Kavität und verformen sich beim Auswerfen. Flächige Auswerfer, Luftunterstützung und passende Oberflächen im Spritzgusswerkzeug helfen.
  • Temperaturführung: Die Kontaktfläche des Vorspritzlings sollte beim Überspritzen ausreichend warm sein, damit sich die beiden Werkstoffe gut verbinden.

Typische Anwendungen

TPE finden sich in Soft-Touch-Griffen, angespritzten Dichtlippen, Tastenfeldern, Kabeldurchführungen und Knickschutztüllen, Dämpfungselementen sowie Faltenbälgen. In der Automobil- und Elektrotechnik übernehmen sie vor allem Dicht- und Dämpfungsfunktionen, bei Konsumgütern steht häufig die Haptik im Vordergrund.

Wie man zwischen diesen und anderen Kunststoffen abwägt, zeigt der Beitrag Werkstoffauswahl im Spritzguss: welcher Kunststoff wofür.

Häufige Fragen zu TPE

Was ist TPE für ein Kunststoff?

TPE ist der Sammelbegriff für thermoplastische Elastomere. Sie sind bei Raumtemperatur gummielastisch, lassen sich aber wie Thermoplaste aufschmelzen, spritzgießen und in der Regel wiederverwerten.

Was ist der Unterschied zwischen TPE und Gummi?

Gummi ist chemisch vernetzt und lässt sich nach der Vulkanisation nicht mehr aufschmelzen. TPE sind physikalisch vernetzt und werden beim Erwärmen wieder plastisch. Gummi ist dafür bei Temperatur und Dauerdruck meist formstabiler.

Ist TPE dasselbe wie TPU?

Nein. TPU ist eine bestimmte Familie innerhalb der thermoplastischen Elastomere auf Polyurethan-Basis. Weitere Familien sind unter anderem TPS, TPO, TPV, TPC und TPA.

Auf welchen Kunststoffen haftet TPE im 2K-Spritzguss?

Das hängt von der TPE-Familie und der Type ab. Standard-TPS und TPV haften gut auf PP, für PC, ABS oder PA gibt es haftmodifizierte Typen. Die Haftung sollte für jede Materialpaarung geprüft werden.

Wie hart kann TPE sein?

Die Bandbreite reicht von sehr weichen Typen im niedrigen Shore-A-Bereich bis zu harten Typen im Shore-D-Bereich. Die passende Härte ergibt sich aus Funktion, Haptik und Dichtanforderung.

Kunststoffteile im Spritzguss fertigen lassen?

Schröder + Heidler fertigt technische Kunststoffteile mit eigenem Werkzeugbau im Erzgebirge – zertifiziert nach ISO 9001 und IATF 16949. Sprechen Sie direkt mit unserem Vertrieb: Tom Jahn, 0176 42298702, vertrieb@schroeder-heidler.de. Zeichnung oder CAD-Daten folgen nach dem Erstkontakt – auf Wunsch nach Geheimhaltungsvereinbarung.

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