Schröder + Heidler

PC (Polycarbonat)

Sahi Khader
29.09.2026
Lesezeit: 5 min

PC steht für Polycarbonat. Es ist ein amorpher Thermoplast und gehört zu den technischen Kunststoffen. Bekannt ist PC vor allem für die Kombination aus glasklarer Transparenz, hoher Schlagzähigkeit und guter Wärmeformbeständigkeit – eine Mischung, die kaum ein anderer Kunststoff in dieser Form bietet.

Im Spritzguss gilt PC als gut verarbeitbar, stellt aber Anforderungen an Trocknung, Temperaturführung und Bauteilgestaltung. Anders als der teilkristalline Werkstoff POM schwindet PC gering und gleichmäßig, reagiert dafür empfindlich auf Eigenspannungen und bestimmte Chemikalien.

Das Wichtigste in Kürze

KernaussageBedeutung
Transparent und schlagzähPC ist glasklar und dabei auch bei tiefen Temperaturen sehr schlagzäh. Deshalb ersetzt es Glas überall dort, wo Bruchsicherheit zählt.
Amorph und maßhaltigGeringe, weitgehend richtungsunabhängige Schwindung ermöglicht enge Toleranzen und wenig Verzug.
Vor der Verarbeitung trocknenFeuchtes Granulat führt bei der Verarbeitung zu hydrolytischem Abbau, Schlieren und verminderter Zähigkeit.
SpannungsrissempfindlichEigenspannungen aus dem Prozess in Kombination mit Fetten, Lösemitteln oder bestimmten Reinigern können Risse auslösen.

Eigenschaften und typische Kennwerte

PC verbindet eine hohe Glasübergangstemperatur mit guter Steifigkeit und sehr geringer Wasseraufnahme. Ohne Stabilisierung vergilbt es unter UV-Einwirkung, die Oberfläche ist vergleichsweise kratzempfindlich. Für Anwendungen mit Brandschutzanforderungen gibt es flammgeschützte Typen, für höhere Steifigkeit glasfaserverstärkte Varianten. Das Blend PC/ABS kombiniert die Zähigkeit von PC mit der leichteren Verarbeitbarkeit von ABS.

EigenschaftTypischer Bereich
Dichteca. 1,2 g/cm³
Glasübergangstemperaturca. 145–150 °C
Zug-E-Modulca. 2.200–2.500 MPa
Lichttransmission (transparente Typen)bis ca. 90 %
Verarbeitungsschwindungca. 0,5–0,7 %
Wasseraufnahme (Sättigung, Normklima)ca. 0,1–0,2 %

Typische Bereiche für unverstärkte Standardtypen. Die verbindlichen Werte stehen im Datenblatt der jeweiligen Type und weichen je nach Hersteller, Füllstoff und Additivierung ab.

Verarbeitung im Spritzguss

  • Trocknen: PC wird vor der Verarbeitung auf eine sehr niedrige Restfeuchte getrocknet, üblicherweise mehrere Stunden bei rund 120 °C. Zu langes Trocknen bei zu hoher Temperatur kann zu Verfärbungen führen.
  • Hohe Temperaturen: Massetemperaturen liegen meist im Bereich von etwa 280–320 °C, die Werkzeugwand wird mit rund 80–120 °C deutlich wärmer temperiert als bei Standardkunststoffen. Das senkt Eigenspannungen und verbessert die Oberfläche.
  • Eigenspannungen vermeiden: Großzügige Radien, gleichmäßige Wandstärken und eine durchdachte Lage des Angusses verringern das Risiko von Spannungsrissen. Bei kritischen Bauteilen kann Tempern nach dem Spritzen sinnvoll sein.
  • Fügen: Als amorpher Kunststoff lässt sich PC gut per Ultraschallschweißen verbinden. Bei Klebstoffen und Reinigern ist die Verträglichkeit mit PC vorab zu prüfen.

Typische Anwendungen

PC findet sich in Leuchtenabdeckungen und Lichtleitern, Sichtfenstern und Schutzscheiben, Scheinwerferabdeckungen im Fahrzeugbau sowie in Gehäusen, Abdeckungen und Trägerteilen für Kunststoffbauteile in der Elektrotechnik. In der Regel entscheidet die Kombination aus Transparenz, Schlagzähigkeit und Temperaturbeständigkeit für PC – spielen Chemikalienkontakt oder Dauerbelastung durch heißes Wasser eine große Rolle, sind Alternativen zu prüfen.

Wie man zwischen diesen und anderen Kunststoffen abwägt, zeigt der Beitrag Werkstoffauswahl im Spritzguss: welcher Kunststoff wofür.

Häufige Fragen zu PC

Wofür steht die Abkürzung PC bei Kunststoffen?

PC steht für Polycarbonat, einen amorphen technischen Thermoplast. Im Handel ist der Werkstoff zusätzlich unter verschiedenen Markennamen der Hersteller erhältlich.

Ist Polycarbonat bruchfest?

PC ist sehr schlagzäh und bricht deutlich schwerer als Glas oder PMMA. Unter Eigenspannungen und im Kontakt mit ungeeigneten Chemikalien kann es jedoch zu Spannungsrissen kommen.

Warum muss PC vor dem Spritzgießen getrocknet werden?

Feuchtigkeit im Granulat spaltet die Molekülketten bei Verarbeitungstemperatur hydrolytisch. Das Bauteil wird spröder und zeigt Schlieren oder Blasen. Deshalb wird PC vor der Verarbeitung auf eine sehr niedrige Restfeuchte getrocknet.

Was ist der Unterschied zwischen PC und PC/ABS?

PC/ABS ist ein Blend aus Polycarbonat und ABS. Es ist nicht transparent, lässt sich aber leichter verarbeiten und ist weniger kerbempfindlich als reines PC. Reines PC bietet die höhere Wärmeformbeständigkeit und Transparenz.

Ist PC UV-beständig?

Ohne Stabilisierung vergilbt PC unter UV-Licht und verliert an Zähigkeit. Für Außenanwendungen werden UV-stabilisierte Typen oder Beschichtungen eingesetzt.

Kunststoffteile im Spritzguss fertigen lassen?

Schröder + Heidler fertigt technische Kunststoffteile mit eigenem Werkzeugbau im Erzgebirge – zertifiziert nach ISO 9001 und IATF 16949. Sprechen Sie direkt mit unserem Vertrieb: Tom Jahn, 0176 42298702, vertrieb@schroeder-heidler.de. Zeichnung oder CAD-Daten folgen nach dem Erstkontakt – auf Wunsch nach Geheimhaltungsvereinbarung.

Mehr zur Leistung: Kunststoffspritzguss

Konzeption, Umsetzung und Hosting: BlueBranch GmbH, Fürth