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POM (Polyoxymethylen): Eigenschaften und Verarbeitung

Sahi Khader
20.08.2026
Lesezeit: 8 min

POM steht für Polyoxymethylen, auch Polyacetal oder Polyformaldehyd genannt. Es ist ein teilkristalliner Thermoplast und gehört zu den technischen Kunststoffen, die überall dort eingesetzt werden, wo Bauteile Kräfte übertragen, gleiten oder ihre Maße über lange Zeit halten müssen.

Im Spritzguss ist POM ein anspruchsvoller, aber gut beherrschbarer Werkstoff. Zwei Eigenschaften prägen die Verarbeitung: ein enges Temperaturfenster und eine vergleichsweise hohe Schwindung.

Das Wichtigste in Kürze

KernaussageBedeutung
Steif, hart, formstabilHohe Festigkeit und Steifigkeit bei guter Rückstellfähigkeit. POM nimmt kaum Wasser auf und behält seine Maße auch bei wechselnder Luftfeuchte.
Sehr gute GleiteigenschaftenNiedriger Reibwert und hohe Verschleißfestigkeit – der Grund, warum Zahnräder, Gleitlager und Führungselemente häufig aus POM gefertigt werden.
Enges VerarbeitungsfensterBei zu hoher Massetemperatur oder zu langer Verweilzeit zersetzt sich POM und setzt Formaldehyd frei. Temperaturführung und Verweilzeit sind deshalb strikt einzuhalten.
Hohe SchwindungPOM schwindet deutlich stärker als amorphe Kunststoffe. Das geht in die Auslegung der Kavität ein und macht Wandstärkensprünge kritisch.

Namen und Synonyme: Polyacetal, Polyformaldehyd, Delrin

Für POM sind mehrere Bezeichnungen im Umlauf, die alle denselben Werkstoff meinen. Das Kurzzeichen POM ist nach DIN EN ISO 1043-1 genormt.

  • Polyoxymethylen: Der chemische Name. Die Molekülkette besteht aus sich wiederholenden Oxymethylen-Einheiten (–CH₂–O–).
  • Polyacetal: Benannt nach den Acetalbindungen in der Hauptkette. In Datenblättern und Fachliteratur gleichbedeutend mit POM.
  • Polyformaldehyd: Benannt nach dem Ausgangsstoff Formaldehyd bzw. dessen ringförmigem Trimer Trioxan. Die Bezeichnung findet sich vor allem in chemischen Zusammenhängen.
  • Acetal, Acetalharz, Acetal-Kunststoff: Kurzformen, die vor allem aus dem englischen Sprachgebrauch („acetal“, „acetal resin“) übernommen sind.
  • Delrin: Ein bekannter Handelsname für ein POM-Homopolymer. Umgangssprachlich steht er oft für POM allgemein, bezeichnet genau genommen aber nur die Typen dieser Marke.

Ob in einer Anfrage „Kunststoff POM“, „POM-Material“ oder „Polyacetal POM-C“ steht: Für die Auswahl entscheidend ist nicht der Name, sondern die Variante – Homopolymer oder Copolymer – und die konkrete Type mit ihrem Datenblatt.

Homopolymer und Copolymer

  • POM-H (Homopolymer): Höhere Kristallinität, dadurch etwas höhere Festigkeit, Steifigkeit und Härte. Empfindlicher gegenüber thermischer und chemischer Belastung, insbesondere im alkalischen Bereich.
  • POM-C (Copolymer): Etwas geringere Festigkeit, dafür stabiler gegen Hydrolyse, heißes Wasser und Chemikalien sowie thermisch gutmütiger in der Verarbeitung. Für viele technische Anwendungen die robustere Wahl.

POM-C und POM-H im Vergleich

MerkmalPOM-C (Copolymer)POM-H (Homopolymer)
AufbauOxymethylen-Kette mit geringem Anteil eingebauter Comonomer-EinheitenReine Oxymethylen-Kette
KristallinitätEtwas geringerHöher
Festigkeit, Steifigkeit, HärteHochEtwas höher als POM-C
Heißes Wasser, Hydrolyse, LaugenDeutlich beständigerEmpfindlicher, vor allem im alkalischen Bereich
Thermische Stabilität in der VerarbeitungGutmütiger gegenüber Temperatur und VerweilzeitEmpfindlicher gegenüber Überhitzung
Dicke HalbzeugeAuch in großen Querschnitten weitgehend porenarmNeigung zu Porosität im Kern dicker Platten und Stäbe
Typische WahlRobuste Standardlösung, besonders bei Kontakt mit Wasser oder ReinigungsmedienWenn maximale Steifigkeit, Härte oder Kriechfestigkeit gefragt sind

Beide Varianten gibt es als Granulat für den Spritzguss und als Halbzeug, etwa als POM-Platte oder Rundstab für die spanende Bearbeitung. Zerspante Teile eignen sich für Muster und kleine Mengen. Für Serienbauteile ist der Spritzguss der übliche Weg, weil Geometrien wie Schnapphaken oder Zahnprofile direkt im Spritzgusswerkzeug abgebildet werden.

Dichte und Materialeigenschaften von POM

Die Dichte von POM liegt bei ca. 1,41 g/cm³ für das Copolymer und ca. 1,42 g/cm³ für das Homopolymer (ungefüllte Standardtypen). Damit ist POM deutlich schwerer als viele andere technische Thermoplaste: ABS liegt bei ca. 1,05 g/cm³, PC bei ca. 1,20 g/cm³ und PBT bei ca. 1,30 g/cm³. Gründe sind der hohe Sauerstoffanteil in der Molekülkette und die hohe Kristallinität. Bei gleichem Volumen wiegt ein Bauteil aus POM also spürbar mehr, was in Gewichts- und Materialkostenabschätzungen einfließt. Mit Glasfasern gefüllte Typen liegen noch darüber.

KennwertPOM-CPOM-H
Dichteca. 1,41 g/cm³ca. 1,42 g/cm³
Kristallitschmelzbereichca. 165 °Cca. 175 °C
Zug-E-Modulca. 2.600–2.900 MPaca. 2.900–3.200 MPa
Wasseraufnahme im Normklimaca. 0,2 %ca. 0,2 %
Verarbeitungsschwindungca. 1,8–2,5 %ca. 1,8–2,5 %

Die Werte sind Richtwerte für ungefüllte Standardtypen. Je nach Type, Füllstoff und Prüfbedingung weichen sie ab – verbindlich ist immer das Datenblatt des eingesetzten Materials.

Zu den Materialeigenschaften, die POM für Funktionsteile interessant machen, gehören außerdem eine gute Zähigkeit auch bei tiefen Temperaturen, eine hohe Ermüdungsfestigkeit unter wechselnder Last und eine gute Beständigkeit gegen Kraftstoffe, Öle, Fette und viele Lösemittel. Grenzen setzen starke Säuren, beim Homopolymer auch Laugen, sowie dauerhafte UV-Einwirkung ohne Stabilisierung.

Worauf bei Verarbeitung und Konstruktion zu achten ist

  • Verweilzeit begrenzen: Ein zu großes Schneckenaggregat für ein kleines Schussgewicht führt zu langer Verweilzeit – bei POM ein echtes Risiko, nicht nur ein Qualitätsthema.
  • Gleichmäßige Wandstärken: Wegen der hohen Schwindung führen Materialanhäufungen zu Einfallstellen und Verzug. Rippen sollten deutlich dünner ausgeführt werden als die anschließende Wand.
  • Werkzeugtemperierung: Eine gleichmäßig geführte, ausreichend warme Werkzeugwand unterstützt die Kristallisation und damit die Maßhaltigkeit.
  • Beständigkeit prüfen: Gegenüber starken Säuren ist POM nicht beständig. Ohne Stabilisierung ist es zudem nur bedingt für dauernde UV-Belastung geeignet.
  • Kleben ist schwierig: Die niedrige Oberflächenenergie erschwert das Kleben. Mechanische Verbindungen, Ultraschallschweißen oder direkt angespritzte Funktionen im 2K-Spritzguss sind die verlässlicheren Wege.

Typische Anwendungen

POM findet sich überall dort, wo kleine Bauteile dauerhaft Funktion übernehmen: Zahnräder und Getriebeteile, Gleitlager und Laufrollen, Clips und Schnappverbindungen, Federelemente, Ventil- und Pumpenbauteile sowie Bedien- und Verstellmechaniken. In der Elektrotechnik ist der Werkstoff als Träger mechanisch belasteter Funktionsteile verbreitet.

Vertiefend: Werkstoffauswahl im Spritzguss: welcher Kunststoff wofür

Weitere technische Thermoplaste im Vergleich: PA66 GF30 (glasfaserverstärktes Polyamid 66), PBT (Polybutylenterephthalat) und ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol).

Häufige Fragen zu POM

Wofür steht die Abkürzung POM?

POM steht für Polyoxymethylen, auch als Polyacetal bezeichnet. Im Handel begegnet der Werkstoff zusätzlich unter verschiedenen Markennamen der Hersteller.

Was ist der Unterschied zwischen POM-H und POM-C?

Das Homopolymer (POM-H) ist fester und steifer, das Copolymer (POM-C) beständiger gegen Hydrolyse, heißes Wasser und Chemikalien sowie thermisch unempfindlicher in der Verarbeitung. Welche Variante passt, ergibt sich aus Belastung und Umgebung.

Warum ist die Verweilzeit bei POM so wichtig?

POM zersetzt sich bei zu hoher Temperatur oder zu langer Verweilzeit im Plastifizierzylinder und setzt dabei Formaldehyd frei. Neben der Materialschädigung ist das ein Arbeitsschutzthema – Aggregatgröße und Prozessführung müssen zum Schussgewicht passen.

Welche Dichte hat POM?

Ungefülltes POM hat eine Dichte von ca. 1,41 g/cm³ als Copolymer (POM-C) und ca. 1,42 g/cm³ als Homopolymer (POM-H). Gefüllte Typen liegen höher; verbindlich ist das Datenblatt der jeweiligen Type.

Ist Delrin dasselbe wie POM?

Delrin ist ein bekannter Handelsname für ein POM-Homopolymer. Jedes Delrin ist also POM, aber nicht jedes POM ist Delrin: Unter POM fallen auch alle Copolymer-Typen (POM-C) und die Homopolymere anderer Marken.

Sind Polyacetal, Polyformaldehyd und Polyoxymethylen dasselbe?

Ja. Polyoxymethylen, Polyacetal und Polyformaldehyd bezeichnen denselben Werkstoff mit dem Kurzzeichen POM. Auch Acetal oder Acetalharz meint in der Regel POM.

Kunststoffteile im Spritzguss fertigen lassen?

Schröder + Heidler fertigt technische Kunststoffteile mit eigenem Werkzeugbau im Erzgebirge – zertifiziert nach ISO 9001 und IATF 16949. Sprechen Sie direkt mit unserem Vertrieb: Tom Jahn, 0176 42298702, vertrieb@schroeder-heidler.de. Zeichnung oder CAD-Daten folgen nach dem Erstkontakt – auf Wunsch nach Geheimhaltungsvereinbarung.

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