POM steht für Polyoxymethylen, auch Polyacetal genannt. Es ist ein teilkristalliner Thermoplast und gehört zu den technischen Kunststoffen, die überall dort eingesetzt werden, wo Bauteile Kräfte übertragen, gleiten oder ihre Maße über lange Zeit halten müssen.
Im Spritzguss ist POM ein anspruchsvoller, aber gut beherrschbarer Werkstoff. Zwei Eigenschaften prägen die Verarbeitung: ein enges Temperaturfenster und eine vergleichsweise hohe Schwindung.
Das Wichtigste in Kürze
| Kernaussage | Bedeutung |
|---|---|
| Steif, hart, formstabil | Hohe Festigkeit und Steifigkeit bei guter Rückstellfähigkeit. POM nimmt kaum Wasser auf und behält seine Maße auch bei wechselnder Luftfeuchte. |
| Sehr gute Gleiteigenschaften | Niedriger Reibwert und hohe Verschleißfestigkeit – der Grund, warum Zahnräder, Gleitlager und Führungselemente häufig aus POM gefertigt werden. |
| Enges Verarbeitungsfenster | Bei zu hoher Massetemperatur oder zu langer Verweilzeit zersetzt sich POM und setzt Formaldehyd frei. Temperaturführung und Verweilzeit sind deshalb strikt einzuhalten. |
| Hohe Schwindung | POM schwindet deutlich stärker als amorphe Kunststoffe. Das geht in die Auslegung der Kavität ein und macht Wandstärkensprünge kritisch. |
Homopolymer und Copolymer
- POM-H (Homopolymer): Höhere Kristallinität, dadurch etwas höhere Festigkeit, Steifigkeit und Härte. Empfindlicher gegenüber thermischer und chemischer Belastung, insbesondere im alkalischen Bereich.
- POM-C (Copolymer): Etwas geringere Festigkeit, dafür stabiler gegen Hydrolyse, heißes Wasser und Chemikalien sowie thermisch gutmütiger in der Verarbeitung. Für viele technische Anwendungen die robustere Wahl.
Worauf bei Verarbeitung und Konstruktion zu achten ist
- Verweilzeit begrenzen: Ein zu großes Schneckenaggregat für ein kleines Schussgewicht führt zu langer Verweilzeit – bei POM ein echtes Risiko, nicht nur ein Qualitätsthema.
- Gleichmäßige Wandstärken: Wegen der hohen Schwindung führen Materialanhäufungen zu Einfallstellen und Verzug. Rippen sollten deutlich dünner ausgeführt werden als die anschließende Wand.
- Werkzeugtemperierung: Eine gleichmäßig geführte, ausreichend warme Werkzeugwand unterstützt die Kristallisation und damit die Maßhaltigkeit.
- Beständigkeit prüfen: Gegenüber starken Säuren ist POM nicht beständig. Ohne Stabilisierung ist es zudem nur bedingt für dauernde UV-Belastung geeignet.
- Kleben ist schwierig: Die niedrige Oberflächenenergie erschwert das Kleben. Mechanische Verbindungen, Ultraschallschweißen oder direkt angespritzte Funktionen im 2K-Spritzguss sind die verlässlicheren Wege.
Typische Anwendungen
POM findet sich überall dort, wo kleine Bauteile dauerhaft Funktion übernehmen: Zahnräder und Getriebeteile, Gleitlager und Laufrollen, Clips und Schnappverbindungen, Federelemente, Ventil- und Pumpenbauteile sowie Bedien- und Verstellmechaniken. In der Elektrotechnik ist der Werkstoff als Träger mechanisch belasteter Funktionsteile verbreitet.
Häufige Fragen zu POM
Wofür steht die Abkürzung POM?
POM steht für Polyoxymethylen, auch als Polyacetal bezeichnet. Im Handel begegnet der Werkstoff zusätzlich unter verschiedenen Markennamen der Hersteller.
Was ist der Unterschied zwischen POM-H und POM-C?
Das Homopolymer (POM-H) ist fester und steifer, das Copolymer (POM-C) beständiger gegen Hydrolyse, heißes Wasser und Chemikalien sowie thermisch unempfindlicher in der Verarbeitung. Welche Variante passt, ergibt sich aus Belastung und Umgebung.
Warum ist die Verweilzeit bei POM so wichtig?
POM zersetzt sich bei zu hoher Temperatur oder zu langer Verweilzeit im Plastifizierzylinder und setzt dabei Formaldehyd frei. Neben der Materialschädigung ist das ein Arbeitsschutzthema – Aggregatgröße und Prozessführung müssen zum Schussgewicht passen.