ABS steht für Acrylnitril-Butadien-Styrol. Der Werkstoff ist ein amorpher Thermoplast, der aus drei Bausteinen zusammengesetzt ist: Acrylnitril sorgt für Härte und Chemikalienbeständigkeit, Butadien für Zähigkeit, Styrol für Steifigkeit, Glanz und gute Verarbeitbarkeit. ABS zählt zu den am häufigsten verarbeiteten Kunststoffen für Gehäuse, Abdeckungen und Sichtteile.
Anders als teilkristalline Werkstoffe wie POM schwindet ABS gering und gleichmäßig. Das macht den Werkstoff maßlich gut beherrschbar und prädestiniert ihn für Bauteile mit hohen Anforderungen an die Oberfläche. Grenzen setzen die begrenzte Wärmeformbeständigkeit und die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlung und bestimmten Lösemitteln.
Das Wichtigste in Kürze
| Kernaussage | Bedeutung |
|---|---|
| Amorph und maßhaltig | Geringe, weitgehend richtungsunabhängige Schwindung. Verzug ist bei ABS deutlich leichter zu beherrschen als bei teilkristallinen Werkstoffen. |
| Schlagzäh und steif | Der Butadienanteil macht ABS auch bei niedrigen Temperaturen schlagzäh, ohne dass die Steifigkeit für Gehäuseanwendungen verloren geht. |
| Sehr gute Oberfläche | ABS lässt sich lackieren, bedrucken und – in dafür ausgelegten Typen – galvanisieren. Deshalb ist es der Standard für Sicht- und Designteile. |
| Begrenzte Beständigkeit | Nicht dauerhaft UV-beständig ohne Stabilisierung oder Beschichtung, empfindlich gegenüber Ketonen, Estern und manchen Reinigungsmitteln. |
Eigenschaften und Kennwerte
| Eigenschaft | Typischer Bereich |
|---|---|
| Dichte | ca. 1,03 – 1,07 g/cm³ |
| Zug-E-Modul | ca. 2.000 – 2.700 MPa |
| Vicat-Erweichungstemperatur (B50) | ca. 90 – 105 °C |
| Verarbeitungsschwindung | ca. 0,4 – 0,7 % |
| Massetemperatur im Spritzguss | ca. 220 – 260 °C |
| Werkzeugtemperatur | ca. 40 – 80 °C |
Die Werte sind typische Bereiche aus Herstellerangaben. Je nach Type, Hersteller und Additivierung weichen die Datenblattwerte ab – für die Auslegung gilt immer das Datenblatt der konkret eingesetzten Type.
Verarbeitung im Spritzguss
- Vortrocknen: ABS nimmt geringe Mengen Feuchte auf. Ohne Trocknung drohen Schlieren und Oberflächenfehler, vor allem bei Sichtteilen und vor dem Galvanisieren.
- Werkzeugtemperatur für die Optik: Eine höhere Werkzeugwandtemperatur verbessert Glanz und Abformung der Oberfläche und reduziert sichtbare Bindenähte.
- Anschnitt und Bindenähte: Lage und Größe des Angusses bestimmen, wo Bindenähte entstehen. Bei Sichtteilen gehört das früh in die Konstruktion.
- Fügen und Veredeln: Als amorpher Werkstoff eignet sich ABS gut zum Ultraschallschweißen. Beschriftungen werden häufig im Tampondruck aufgebracht.
Typische Anwendungen
ABS findet sich in Gehäusen für Elektro- und Haushaltsgeräte, in Bedienelementen, Abdeckungen und Blenden, in Innenraumteilen von Fahrzeugen sowie in Spielwaren. Als Hartkomponente lässt sich ABS im Mehrkomponenten-Spritzguss mit einer weichen Griff- oder Dichtkomponente kombinieren. Für höhere Temperatur- oder Schlagzähigkeitsanforderungen werden ABS/PC-Blends eingesetzt. Welche Anforderungen in diesen Branchen typisch sind, beschreibt die Seite Kunststoffteile für Konsumgüter und Maschinenbau.
ABS ist gut wiederverwertbar. Als Rezyklat kommt es vor allem dort zum Einsatz, wo Farbe und Oberfläche weniger kritisch sind.
Wie man zwischen diesen und anderen Kunststoffen abwägt, zeigt der Beitrag Werkstoffauswahl im Spritzguss: welcher Kunststoff wofür.
Häufige Fragen zu ABS
Wofür steht die Abkürzung ABS bei Kunststoff?
ABS steht für Acrylnitril-Butadien-Styrol. Der Name beschreibt die drei Monomere, aus denen der Werkstoff aufgebaut ist und die jeweils eigene Eigenschaften beitragen: Härte, Zähigkeit und Verarbeitbarkeit.
Ist ABS hitzebeständig?
Nur begrenzt. Standardtypen erweichen je nach Type ab etwa 90 bis 105 °C. Für höhere Temperaturen gibt es wärmeformbeständige ABS-Typen oder ABS/PC-Blends, darüber hinaus sind andere technische Kunststoffe die bessere Wahl.
Ist ABS UV-beständig?
Nicht ohne Weiteres. Unter UV-Strahlung vergilbt und versprödet ABS. Für Außenanwendungen werden UV-stabilisierte Typen, Lackierungen oder alternativ ASA eingesetzt, das ABS chemisch verwandt, aber witterungsbeständiger ist.
Lässt sich ABS galvanisieren?
Ja. ABS gehört zu den wenigen Kunststoffen, die sich zuverlässig galvanisieren lassen. Voraussetzung sind eine dafür geeignete Type, eine fehlerfreie Oberfläche und eine auf das Galvanisieren abgestimmte Verarbeitung.
Worin unterscheidet sich ABS von POM?
ABS ist amorph, schwindet gering und hat eine sehr gute Oberfläche – ideal für Gehäuse und Sichtteile. POM ist teilkristallin, steifer, gleitfähiger und chemikalienbeständiger, schwindet aber deutlich stärker. POM wird deshalb eher für Funktionsteile wie Zahnräder eingesetzt.